ADHS verstehen –

Grundlagen und Therapieansätze

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Besonderheit, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene betrifft. Sie zeigt sich nicht nur in Unruhe oder Konzentrationsschwierigkeiten, sondern beeinflusst Denken, Fühlen, Verhalten und den Alltag insgesamt. Ein fundiertes Verständnis der Grundlagen ist daher entscheidend, um passende und wirksame Unterstützungswege zu finden.

Was ist ADHS?

ADHS ist keine Frage von Disziplin oder Willenskraft, sondern eine andere Art der Informationsverarbeitung im Gehirn. Betroffene haben häufig Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulssteuerung, Organisation und Emotionsregulation. Gleichzeitig bringen viele Menschen mit ADHS besondere Stärken mit, wie Kreativität, hohe Sensibilität, Begeisterungsfähigkeit und unkonventionelles Denken.

ADHS zeigt sich individuell sehr unterschiedlich. Manche Menschen wirken eher ruhig und verträumt, andere impulsiv und sehr aktiv. Häufige Herausforderungen sind:

  • Schwierigkeiten, den Fokus zu halten oder Aufgaben zu Ende zu bringen
  • Probleme mit Zeitmanagement und Struktur
  • Impulsives Handeln oder emotionale Überreaktionen
  • Innere Unruhe, Erschöpfung oder Selbstzweifel

Ursachen von ADHS

Die Ursachen von ADHS sind komplex. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass genetische Faktoren eine grosse Rolle spielen. Hinzu kommen neurobiologische Besonderheiten im Botenstoffsystem des Gehirns, insbesondere im Bereich der Reizverarbeitung und Selbststeuerung. Umweltfaktoren können den Verlauf beeinflussen, gelten jedoch nicht als alleinige Ursache.

Therapieansätze bei ADHS

Eine wirksame Behandlung von ADHS ist in der Regel multimodal aufgebaut, das heisst: Sie kombiniert verschiedene Ansätze, die individuell auf die jeweilige Person abgestimmt werden.

Medikamentöse Therapie
Medikamente können helfen, Aufmerksamkeit und Impulskontrolle zu verbessern. Sie wirken auf die Botenstoffe im Gehirn und können den Alltag deutlich erleichtern. Ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, wird individuell und ärztlich abgeklärt.

Psychotherapie
Therapeutische Begleitung unterstützt dabei, den Umgang mit ADHS zu verbessern, belastende Denkmuster zu verändern und emotionale Stabilität aufzubauen. Besonders hilfreich sind verhaltenstherapeutische Ansätze, die konkrete Strategien für den Alltag vermitteln.

ADHS-Coaching
ADHS-Coaching richtet sich stark auf den Alltag und die individuellen Lebensziele. Es unterstützt beim Aufbau von Struktur, Selbstorganisation, Entscheidungsfindung und Selbstwirksamkeit. Coaching ist lösungsorientiert, praxisnah und ressourcenfokussiert – besonders für Jugendliche und Erwachsene eine wertvolle Ergänzung.

Psychoedukation
Ein zentraler Bestandteil jeder ADHS-Begleitung ist Wissen. Wer versteht, wie ADHS wirkt, kann sich selbst besser einordnen, entlasten und gezielt Strategien entwickeln. Wissen reduziert Scham und stärkt Selbstakzeptanz.

Fazit

ADHS ist keine Schwäche, sondern eine neurobiologische Besonderheit mit Herausforderungen und Potenzialen. Eine gute Begleitung setzt auf Verständnis, individuelle Unterstützung und eine Kombination aus passenden Therapieansätzen. Ziel ist nicht Anpassung um jeden Preis, sondern ein selbstbestimmter, stabiler und erfüllter Alltag – mit ADHS und nicht gegen sich selbst.